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Martin Eschenbronner
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Die Lügen des Präsidenten Bush

In der Psychologie gibt es ein beliebtes Beispiel, mit dem aufgezeigt wird, wie jemand die Wahrheit sagen und zugleich lügen kann. Das Beispiel ist sehr einleuchtend. Eine Mutter ermahnt ihr Kind zur Ruhe, und zwar mit den Hinweis, der Lärm störe den Vater. In Wirklichkeit  fühlt sich die Mutter selbst genervt, will gerade das ihrem Kind aber nicht sagen (Dass durch solche Erziehungsfehler Sexmonster und Berufskiller geschaffen werden, lassen wir für heute ein Problem der Psychologen bleiben). Wenn George W. Bush sagt, die letze Chance für Saddam Hussein, einen Angriff durch die US-Amerikaner und Briten zu vermeiden, sei es, bis zum 1. März 2003 mit der Vernichtung seiner Al-Samoud-2-Raketen zu beginnen, geht dies über das aus der Psychologie entlehnte Beispiel mit dem lärmenden Kind weit hinaus. Es handelt sich um eine ganze Reihe von Lügen, sozusagen um ein Lügengebäude (Dass Gerge W. Bush der Methodistenkirche angehört, ist keine Garantie dafür, dass er die Wahrheit spricht; die armen Methodisten, wie sollen sie ein solches Mitglied loswerden?!). Die Gegenfrage ist ganz einfach: Wird Bush den Aufmarsch gegen den Irak abblasen, wenn Hussein mit der Zerstörung der Raketen - wie heute geschehen - beginnt? Oder anders ausgedrückt: Gibt es für Saddam Hussein eine Möglichkeit, durch Gerhorsams- und Ehrerbietungsbeweise eine Bombardierung des Iraks zu vermeiden? Nützt es insoweit, wenn Hussein Bush die Füße küßt (wie Toni Blair es tut - Hello, Toni!)?

Unter dem Aspekt von Information und Wissen handelt es sich bei der geschilderten Sachlage um etwas ähnliches wie dem Beispiel mit dem vorgeschobenen Vater. Allerdings ist sogar die Behauptung der Mutter, das Kind belästige den Vater, gelogen. In Wirklichkeit gibt es nicht eimal einen Vater. Jeder Mensch auf der ganzen Welt weiß seit vielen Monaten, dass Bush den Angriff gegen den Irak befehlen wird, komme, was da wolle. Anders ausgedrückt: Ihm wird jeder noch so fadenscheinige Vorwand recht sein. Entsprechend hat er die heute beginnende Zerstörung der Raketen durch die Iraker schon gestern als "taktischen Schritt" abqualifiziert. Um nochmals das Beispiel aus der Psychologie zu strapazieren: Den Vater gibt es nicht und obwohl es ihn nicht gibt, fühlt er sich nicht einmal belästigt!

Präsident George Bushs Familie ist seit 1950 im Ölgeschäft tätig. Vizepräsident Dick Cheney war während der 90er Jahre Vorstand von Halliburton, der gößten Öldienstleistungsgesellschaft der Welt. Die nationale Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice (Hello, Condi!) saß im Aufsichtsrat von Chevron, die einen Tanker mit ihrem Namen ehrte. Handelsminister Donald Evans war länger als ein Jahrzehnt Chef von Tom Brown Inc., einer Gasgesellschaft mit Förderstellen in Texas, Colorado und Wyoming. Am 19. März 1999, also fünf Tage vor der Bombardierung Yugoslawiens, hat der US-Kongress das sogenannte Seidenstrassengesetz (Silk Road Stategy Act) verabschiedet, das die umfassenden wirtschaftlichen und strategischen Interessen der USA - nämlich Ölpipelines - in einer riesigen Region definiert, die sich vom Mittelmeeer nach Zentralasien erstreckt und Länder wie Armenien, Aserbaidschan, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan umfasst (typisch amerikanisch geprägte Regionen! - wußten Sie übrigens, dass in Kirgistan und in der Ukraine die Stützwährung mittlerweile der US-Dollar ist?).

Ach so: Wir erfahren jetzt durch Presse und Fernsehen, dass die Raketen Saddam Husseins eine Reichweite haben oder hatten, die geringfügig über dem Erlaubten liegt (So als ob UN-Chefinspekteur Hans Blix gestattet worden wäre, über Leben und Tod amerikanischer Soldaten und iranischer Kinder zu entscheiden). 

Ach so: Den Kommentatoren in den Massenmedien zufolge müssen die UN der amerikanischen Linie folgen, um stark zu bleiben oder es jedenfalls zu werden. (Der deutsche Bundestagspräsident Wolfgang Thierse am 27. Februar 2003 dazu - etwas einleuchtender: "Die USA unterwerfen sich nicht der Kompetenz der Vereinten Nationen, sondern wollen diese sich unterwerfen".

Ach so: Die Verstimmung in den amerikanisch-deutschen Beziehungen durch die Ablehnung eines Angriffskrieges gegen den Irak führt vielleicht zu einem Boykott deutscher Waren, wo es uns doch sowieso schon so schlecht geht. 

Was die deutsche Oppositionsführerin Angela Merkel mit ihrer Reise in die USA den Europäern (mit Ausnahme von Spanien und Bulgarien) angetan hat, ist durch nichts reparabel. Sie hat sich vor der Macht als solcher verbeugt, Bush die Füße geküßt - jenseits des Völkerrechts und jenseits moralischer Erwägungen. Vor allem aber jenseits von Information und Wissen. Die USA wollen nicht Deutschlands Freundschaft sondern seinen totalen Gehorsam. Oder fällt Ihnen eine genauere Beschreibung der US-amerikanischen Wünsche ein?

Und betrachten Sie die Nachrichtenlage vom 28. 02. 2003:

Bush hat in einer vom Fernsehen in die ganze Welt übertragenen Rede den Aggressionskrieg gegen den Irak mit dem Eintritt der USA in den Krieg gegen Hitler-Deutschland und Japan verglichen. Und er hat sinngemäß blühende Landschaften und eine herrliche Demokratie im Nach-Hussein-Irak versprochen. Am gleichen Tag wurde beschlossen, den Neubau des am 11. September 2001 zerstörten World Trade Centers in New York nach den Plänen von Daniel Libeskind zu gestalten. Libeskind ist Amerikaner, der in Berlin lebt und Sohn polnischer Juden ist. Er hat auch die Holocaust-Gedenkstätte in Berlin entworfen. 

Anders ausgedrückt: Mit Öl hat das Ganze nichts zu tun. Es geht nicht um Mama, es geht um Papa!
 
 

Beitrag vom 01. 03. 2003 
 
 
 
 

 

In der Wahrheit liegt die Lüge. Machmal sind es zwei oder drei Lügen auf einmal.