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Norbert
Reisinger
Nach ihrem Tod soll man sie ausstopfen Der ganze Text
Der Dr. Stadlhuber
Der Dr. Stadlhuber sagt, er als Arzt, also, wenn er die Woche an einem Tag Sprechstunde hat, ist das genug. Weil, als Leistungsträger wird es ihm sonst zu viel. Auf Krankenschein, da sieht der Dr. Stadlhuber weder so noch so ein, dass er jemand heilt. Magnetische Strahlen sind sehr gefährlich, sagt der Dr. Stadlhuber. Er will sogar mal nachlesen, was das eigentlich ist. Der Dr. Stadlhuber sagt, in concreto impliziert das eine oft das andere. Aber, so sagt er, wer hört schon auf einen Akademiker. Er ist gerne Arzt, sagt der Dr. Stadlhuber, aber immer diese Patienten!
Mein Bruder Sepp
Mein Bruder Sepp war Kunstmaler. Bei dem Beruf ist das Hauptproblem, wo du was Verrücktes zum Anziehen findest. Als er noch lebte, hat mein Bruder Sepp viele schöne Bilder gemalt. Jetzt, wo er tot ist, auf einmal, da werfen die Leute seine Sachen weg. Mein Bruder Sepp ist bei einem Streit ums Leben gekommen. Aber ich schwöre
es bei allen Heiligen. Angefangen hat er, nicht ich.
Der Advokat Seidelhorn
Der Seidelhorn sagt, Advokaten sind Richter, die lesen und schreiben können. Er will jetzt die Regierung verklagen, sagt der Seidelhorn. Weil, die Kostenlawine im Gesundheitswesen, da reicht es doch, wenn sie den Schuhplattler verbieten. Der Seidelhorn sagt, es ist schon schlimm mit dem Werteverfall heutzutage. Man braucht bloß die Aktienkurse anschauen. Wenn es stimmt, sagt der Seidelhorn, dass sich
der Pfarrer Kandel an den Ministranten vergriffen hat, dann hat seine Haushälterin
ihre Pflichten vernachlässigt.
Der Fuhrman Moshammer
Der Moshammer sagt, bei Boxkämpfen, in der Halle, da sollte man das Rauchen verbieten. Es geht schließlich um die Fitness. Wenn beim Schafskopf, sagt der Moshammer, dass bloß Rot oder Schwarz zählt, dann könnte sogar ein Preuß mitspielen. Seit er die eingehenden Rechnungen wegwirft, sagt der Moshammer, konnte er seinen Buchhaltungsaufwand mehr als halbieren. Der Martin konnte nicht schwimmen. Als er in die Donau fiel, hat er mächtig herumgefuchtelt. Bloss, sagt der Moshammer, so hat jeder gesehen, dass er Hilfe braucht. Er wollte den Krinnerpeter eigentlich nicht erstechen. Es ging ihm,
sagt der Moshammer, wirklich bloß ums Üben.
Der Gendarm Spindler
Jetzt, wo in Holland der Staat die Sterbehilfe selber macht, sagt der Spindler, kommen die ganzen arbeitslosen Killer zu uns. Der Franz ist so gerissen, sagt der Spindler. Wenn man sich da ans Gesetz halten würde, den könnte man nie einlochen. Als Gendarm ist es oft am besten, wenn du einfach wegschaust. Sonst
kommt am Ende, sagt der Spindler, noch eine Eskalation heraus.
Der Oberpichler vom Hilfsamt
Beim Hilfsamt, sagt der Oberpichler, haben sie jetzt ein Programm für Politiker aufgelegt, dass sie aussteigen können. Wenn sie mehr Geld haben sollen, die jungen Familien, sagt der Oberpichler, kannst du doch nicht die Kinderarbeit verbieten. Im Hilfsamt hört man dauernd ein brummendes Geräusch. Sie können, sagt der Oberpichler, nicht mehr schlafen. Bisher ging es beim Hilfsamt nach arm oder reich. Ab sofort, sagt der
Oberpichler, geht es nach fleißig oder faul.
Die Tante Lis
Die Tante Lis denkt immer, alle Menschen sind ihre Feinde. Also, was mich angeht, hat sie recht. Der Papst ist jetzt für die Einheit der Kirche. Die Tante Lis sagt, er hätte sie wenigstens vorher fragen können. Wenn dich die Tante Lis zum Essen einlädt, brauchst du nicht gleich erschrecken. Bei ihren Knödeln, irgenwie kriegt man die Schale weg. Sie schaut jeden Tag drei Stunden lang zum Fenster hinaus, die Tante Lis. Es kann sich keiner vorstellen, sagt sie, wie langweilig das ist. Die Tante Lis ist keine arme Frau. Wir erben mal viel Geld, wenn sie
stirbt. Sollen wir bis dahin warten?
Der Alois
Ehrlich währt am längsten. Der Alois kriegt jetzt ein Regierungsamt. Da gilt das natürlich nicht. Bei der Regierung wollen sie jetzt das Leistungsprinzip einführen. Der Vorschlag stammt vom Alois. Sie haben ihn schon dafür belohnt. Der Alois sagt, jede Arbeit ist ihres Lohnes wert, auch bei einer Dirne. Falls mich einer fragt, Qualität muss aber sein. Mit dem Verbot der Zigarettenreklame wird es nichts. Das Problem ist, sagt der Alois, dass sie bei der Regierung eh lieber schnupfen. Die Armut, sagt der Alois, also da sind sie bei der Regierung dagegen. Einen Schluck Wasser trinken, wenn man etwas Bedeutendes sagt, ist ein
alter Trick. Seit er bei der Regierung ist, muss der Alois dauernd zum
Pinkeln.
Der Physiker Grindelmaier
Der Professor Grindelmaier sagt, das Universum ist unendlich und zugleich geschlossen. Wenn mich einer fragt, der hat mächtig an den Prämissen gedreht. Unter dem Mikroskop, sagt der Grindelmaier, sieht keine Schneeflocke wie die andere aus. Das soll er mir erst einmal zeigen, wie er es macht, dass er eine Schneeflocke unters Mikroskop legt. Entropie, sagt der Grindelmaier, ist eine Tendenz zu immer höherer
Verteilung. So gesehen, haben der Franz und ich beim Grindelmaier keinen
Einbruch, sondern eine Entropie gemacht.
Der Untersuchungsrichter Wieslechner
Der Wieslechner hat von nichts eine Ahnung. Im Knast haben sie mir gesagt, dass auch sein Vater schon ein Studierter war. Vor Gericht sind alle gleich. Der Franz wollte mir ein Pfund Puderzucker für Kokain andrehen. Der Wieslechner hat uns jedem drei Jahre gegeben. Der Wieslechner möchte sich endlich mal fortbilden, sagt er, am liebsten in Sachen Recht oder so. Eins muss man dem Wieslechner lassen. In seinen Gerichtsverhandlungen, die Liturgie ist einwandfrei. Der Wieslechner spricht seine Urteile im Namen des Volkes, weil, er
verkörpert ja sozusagen das Volk. Bloss welches eigentlich?
Der Pfarrer Kandel
Beim Segen für Urbi und Orbi ist er immer tief bewegt, sagt der Pfarrer Kandel. Falls er mal nach Rom kommt, will er die beiden kennenlernen. Der Pfarrer Kandel sagt, wenn dich einer auf die linke Backe schlägt, dann strecke ihm die rechte hin. Ich bin aber mit der Linken einfach besser. Wenn man eine Spende gibt, sagt der Pfarrer Kandel, kann man sie von der Steuer absetzen. Denkt der am Ende, ich mache beides? Der Pfarrer Kandel sagt, wenn einer so arm und krank ist wie der Lorenz,
was sollst du ihm da helfen? Willst du dich gegen Gottes Willen auflehnen?
Der Maurer Ludwig
Ein Kräuterlikör nach dem Essen ist gut. Vor dem Essen aber, sagt der Ludwig, hast du entschieden mehr davon. Blutspenden ist eine gute Sache, sagt der Ludwig. Eigentlich will er selber mal hin. Er weiß bloß nicht, ob die ein Destilliergerät haben. Er ist immer gerne zur Arbeit gegangen, sagt der Ludwig. Weil zuhause, bei der Frau und den Kindern, die haben jedes Gläschen gezählt. Sein Freund Xaver, der starb mit 43 an einem Herzinfarkt. Es soll ihm keiner sagen, sagt der Ludwig, dass der belastbar war. Bei der Beerdigung seiner Frau, als er an ihrem Grab stand, da dachte
der Ludwig: Wie schön, liebe Maria, wie schön, dass du jetzt
im Himmel bist.
Der Hörbiger vom Untersuchungsamt
Beim Untersuchungsamt haben sie jetzt den Hörbiger eingestellt. Das war ein Fehler, weil so einen bedeutsamen Posten haben die gar nicht. Der Hörbiger sagt, mit der Gewaltbereitschaft, das fängt schon im Elternhaus an. Jetzt, wo sie es wissen, haben sie alles fest im Griff. Neulich hat das Untersuchungsamt den Dr. Mühlegg, den Psychiater, in einer Anstalt unterbringen müssen. Da hat sich, sagt der Hörbiger, sozusagen der Kreis geschlossen. Als dem Alois sein Hof abgebrannt ist, hat der Hörbiger gesagt,
sie schauen lieber nicht so genau hin. Freilich, wer ändert schon
gerne seine Gewohnheiten?
Die Witwe Els
Die Männer, sagt die Els, sind dazu da, dass wir anschließend eine Rente haben. Die Els, als ihr Mann im Sterben lag, er war richtig erleichtert. Jetzt will die Els unbedingt den Oberpichler heiraten. Es heisst, er hat ein Karzinom. Sie will mal ihre Seele baumeln lassen, die Els. Aber wie die ausschaut, es gibt nichts an ihr, was nicht eh schon baumelt. Man braucht sie nicht achten, sagt die Els. Fürchten soll man sie. Die Els hat ein Testament gemacht. Nach ihrem Tod soll man sie ausstopfen.
Der Lehrer Schellhuber
Der Schellhuber sagt immer, er kommt noch um den Verstand. Aber das ist nur so eine Redensart. Er hat sein ganzes Vermögen verloren, sagt der Schellhuber, und die an der Börse haben es nicht gemerkt. Der Schellhuber war jetzt in Kur. Es hat ihm gut getan, sagt er. Endlich kann er wieder herzhaft gähnen. Das Wissen um die handwerklichen Fähigkeiten, sagt der Schellhuber, also das braucht ein Maurer schon. Er will endlich mal durchs Brandenburger Tor, sagt der Schellhuber.
Bisher ging das nicht. Aber jetzt hat er eine Diät gemacht.
Der Philosoph Granzler
Der Granzler, also der sagt, das Sein und das Seiende ist zweierlei. Wer wollte ihm da widersprechen? Man muss das hinter dem Seienden verborgene innerste Wesen offenlegen, sagt der Granzler, aber das sollen andere machen. Der Granzler weiß nicht, was für ein Auto er sich kaufen
soll. Jetzt will er die Einheit alles Seins zu Rate ziehen.
Die Rosi
Es sind nicht alle Frauen wie die Els. Die Rosi zum Beispiel, da denkst du immer nur an etwas anderes. Die Rosi sagt, ihr Verfügungsrahmen, also das sind genau zwanzig Mark. Ich habe der Rosi mal meine Lebensgeschichte erzählt. Es hat sie, gottseidank, überhaupt nicht interessiert. Bei der Rosi habe ich einmal den Untersuchungsrichter Wieslechner getroffen.
Seither gibt er mir immer einen Rabatt.
Der Hofbauer
Seit die Regierung in Berlin ist, sagt der Hofbauer, wird sogar das Vieh krank. Eigentlich müsste er die Ernte einbringen, sagt der Hofbauer, aber nachher ist morgen Weltuntergang, und dann war die ganze Arbeit umsonst. Er will jetzt Gäste eintun, der Hofbauer.
Die Touristen, sagt er, sind viel leichter zu halten als das Vieh.
Der Rentner Krinner
Sein Leben war eine Erfüllung. Schade nur, sagt der Krinner, dass er nicht auch sonntags arbeiten durfte. Die von der Regierung, sagt der Krinner, die informieren uns rein gar nicht. Wie kommt er denn auf diese Idee? Dem Moshammer sein Bub, der hat die alte Kathrin in die Donau geschubst. Da sieht man, sagt der Krinner, dass die Kinder in der Schule nichts mehr rechtes lernen. Der Hunger in der dritten Welt, sagt der Krinner, er findet das entsetzlich. Dein kleiner Urenkel, der Norbert, sagt der Krinner, da mußt du
aufpassen, dass der nicht später alles aufschreibt.
Ende
Copyright 2001 by Norbert Reisinger |
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