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Norbert Reisinger 
Entweder Pietät oder Genauigkeit
Kostprobe

Im Landgericht in Königsfeld brannte es. Die Feuerwehr wurde allarmiert und es kamen zwei Löschzüge dahergebraust. Weil es mächtig rauchte und stank, forderte die Feuerwehr alle Bediensteten auf, das Gebäude so schnell als möglich zu verlassen. Das taten wir auch. Nur der Vize-Paul mit der großen Strafkammer blieb im Schwurgerichtssaal. Sie wollten einfach mit ihrem Prozeß weitermachen. Auch die zweite Aufforderung der Feuerwehr wiesen sie zurück. Der beisitzende Richter erklärte:
„Das Hausrecht haben wir!“
 

Mein Kollege Siegherr verhandelte eine Strafsache gegen einen Türken. Der Türke stritt rein alles ab und erzählte statt dessen die tollsten Märchen. Schließlich wurde es dem Siegherr zuviel und er ermahnte den Mann: „Nun lassen  Sie mal die Kirche...“ Sogleich verbesserte sich der Siegherr und sagte zu dem Türken:
„Nun lassen Sie mal die Moschee im Dorf!“
 

Wir hatten einen Hochstapler verurteilt. Im Urteil schrieb der Siegherr:
„In seiner angeberischen Art gab sich der Angeklagte als Besitzer eines Hotels auf dem Kniebis aus. Auch ließ er anklingen, er sei Stadtrat in Freudenstadt und seine Frau arbeite als Ärztin am dortigen Krankenhaus. Schließlich behauptete er sogar, daß sein Bruder Richter sei.“
 
 
 

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