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Norbert Reisinger
Entweder Pietät oder Genauigkeit Die Sprüche der Juristen Richtersprüche Mein Kollege Siegherr verhandelte eine Strafsache gegen einen Türken.
Der Türke stritt rein alles ab und erzählte statt dessen die tollsten
Märchen. Schließlich wurde es dem Siegherr zuviel und er ermahnte
den Mann: „Nun lassen Sie mal die Kirche...“ Sogleich verbesserte sich
der Siegherr und sagte zu dem Türken: Wir hatten einen Hochstapler verurteilt. Im Urteil schrieb der Siegherr:
Der Siegherr schwätzt schwäbisch. Er tat dies auch in
den Gerichtsverhandlungen, und so schaffte er natürlich eine besondere
Atmosphäre. Das muß auch ein Zeuge aus Hamburg gemerkt haben, der
bei uns vernommen wurde. Jedenfalls geriet der Zeuge mit der Zeit ins Stottern,
hörte dann auf mit Reden und sagte schließlich, man müsse
entschuldigen, aber er sei nun mal kein Schwabe. Der Siegherr tröstete
ihn: Der Vize-Paul hatte einen Mord zu verhandeln. Es war eine ziemlich
dumme Sache, denn die Pistole, um die es ging, lag unter einem Berg von 40.000
Tonnen Müll begraben. In einer Pause fragte ein Bildreporter, der wohl
nicht aufgepaßt hatte, ob er die Tatwaffe fotographieren dürfe.
Der Vize-Paul antwortete: Der Chef der Staatsanwaltschaft Tennenbronn ist auch Pressesprecher.
Als Staatsanwalt weiß er, daß Ausländer überdurchschnittlich
kriminell sind. Und als Pressesprecher weiß er, daß er das nicht
so einfach sagen darf. Deswegen drückte er sich so aus: Mein Kollege Hellmuth hatte es mit einem Zeugen zu tun, der sich
an rein gar nichts erinnern wollte. Der Hellmuth ließ ihn eine Weile
herumreden, aber dann bremste er den Mann und sagte zu ihm, im Wilden Westen
hätte keiner auf ihn geschossen. Als der Zeuge daraufhin ein verdutztes
Gesicht machte, erläuterte der Hellmuth: Im Landgericht in Königsfeld brannte es. Die Feuerwehr wurde
allarmiert und es kamen zwei Löschzüge dahergebraust. Weil es mächtig
rauchte und stank, forderte die Feuerwehr alle Bediensteten auf, das Gebäude
so schnell als möglich zu verlassen. Das taten wir auch. Nur der Vize-Paul
mit der großen Strafkammer blieb im Schwurgerichtssaal. Sie wollten
einfach mit ihrem Prozeß weitermachen. Auch die zweite Aufforderung
der Feuerwehr wiesen sie zurück. Der beisitzende Richter erklärte:
Der Tennenbronner Amtsrichter Malewsky verhandelte einen Fall, bei
dem ein Motorradfahrer wegen eines Lastwagens in hohem Bogen durch die Luft
geflogen war. Wie durch ein Wunder hatte er nur ein paar Prellungen abbekommen.
Im Plädoyer sagte der Verteidiger des Lastwagenfahrers: „Der Motorradfahrer
ist per saldo nur leicht verletzt worden.“ Hier unterbrach ihn der Malewsky
mit den Worten: Für das Amtsgericht in Tennenbronn gab es früher ein eigenes
Gefängnis. Es wurde dann aber geschlossen und statt dessen das Gefängnis
in Königsfeld zuständig. Der Amtsrichter Malewsky ärgerte sich
mächtig darüber. Als er nach einer Verhandlung einen Angeklagten
aus Tennenbronn freiließ, machte er folgenden Beschluß: Am Ende einer Gerichtsverhandlung in Tennenbronn war ein Gefangener
abgehauen. Er kam allerdings nicht weit, denn an der nächsten Straßenecke
verstellten ihm zwei Polizisten den Weg. Der Mann rannte deshalb zurück
und versteckte sich in einem Gebüsch gleich neben dem Gericht. Aber auch
das half ihm nicht viel, weil ihn die Polizisten beobachtet hatten. Sie fordeteten
ihn auf, mit erhobenen Händen herauszukommen. Nun bekam es der Mann
mit der Angst zu tun und rief: „Bitte, nicht schießen! Ich bin unbewaffnet.“
Der Malewsky, der alles mitbekommen hatte, schrie daraufhin zu den Polizeibeamten
hinaus: Verhandlungsabläufe Der Angeklagte hatte so etwa ein Dutzend Vorstrafen.
Diesmal sah es aber ziemlich gut für ihn aus, und es sprach einiges für
einen Freispruch. So ganz sicher war es allerdings nicht. Aber dann hatte
der Angeklagte das letzte Wort. Er meinte: Wir hatten als Beschwerdekammer eine Anhörung im einem Psychiatrischen
Landeskrankenhaus. Dort war eine verwirrte Frau untergebracht, aber das wollte
sie gar nicht einsehen. Unsere Tätigkeit war etwas schwierig, weil andere
Patienten Lärm machten und dazwischenredeten. Bei diesem Chaos meinte
die Frau: Bei einer Gerichtsverhandlung in Königsfeld wurde eine Zeugin
in den Saal gerufen, der man gleich ansah, daß es eine alte, schon
recht hinfällige Frau war. Als sie sich gesetzt hatte, schrie der Präsident
zu ihr hin, ob sie noch gut höre und ihn verstehe. In einer Schwurgerichtsverhandlung wurde eine Zeugin vernommen.
Wie es Vorschrift ist, erhob der Vorsitzende zuerst ihre Personalien, also
Name, Adresse usw. Als er die Zeugin nach ihrem Alter fragte, forderte
diese den Vorsitzenden auf: Der Chef der Staatsanwaltschaft Tennenbronn ist zwei Meter groß
und wiegt drei Zentner. Er nahm an einer Hauptverhandlung beim Amtsgericht
in Tennenbronn teil. Die Verhandlung ging tagelang und es wurden viele Zeugen
vernommen. Als der Vorsitzende wieder einmal einen Zeugen aufrief,
kam ein Mann in den Sitzungssaal – zwei Meter groß und drei Zentner
schwer. Daraufhin rief der Staatsanwalt: Im Tennenbronner Gerichtsgebäude war es furchtbar heiß.
Draußen schien die Sonne, und alle schwitzten. Am schlimmsten aber
war, daß direkt vor dem Sitzungssaal einer mit einer Rüttelwalze
arbeitete. Schließlich fehlte dann auch noch ein Zeuge, und man mußte
in der Gegend herumtelefonieren. Es stellte sich dann heraus, daß der
Zeuge der Mann mit der Rüttelwalze war. Als er sein Gerät ausgeschaltet
hatte, trat eine himmlische Stille ein. Auch die Fenster konnten geöffnet
werden. Es heißt, die Vernehmung des Mannes habe ziemlich lange gedauert.
Ich hatte einen Angeklagten, der eigentlich ein lieber Kerl war.
Nur trank er gern, und wenn er getrunken hatte, wurde er gewalttätig.
Außerdem war er schwachsinnig, und das machte die Sache nicht gerade
einfacher. Der Angeklagte hatte wegen des Alkohols einen Therapieplatz bekommen,
war aber schon nach einem Tag wieder abgehauen. Als der Sachverständige
ihn fragte, warum er denn gleich fortgelaufen sei, antwortete der Angeklagte:
Der Rechtsanwalt Borinski hatte einen Verkehrssünder zu verteidigen.
Seine Arbeit war vergebens. Der Angeklagte wurde verurteilt. Nach der Verhandlung
sagte der Mann zum Borinski: Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, daß er jungen Leuten riesige
Geldsummen gab, damit diese einen Kokainhandel aufziehen konnten. Es ging
nun darum, ob er wußte, was mit seinem Geld gemacht wurde. Die Sache
war verhältnismäßig einfach. Der Angeklagte hatte sich von
den jungen Leuten Darlehensverträge unterschreiben lassen und darin
jedesmal fein säuberlich eingetragen: Internes In Königsfeld gibt es ein Gefängnis. Dort gelang es einem
Häftling, mitten in der Nacht auszubrechen. Dem diensthabenden Vollzugsbeamten
mißfiel das, weil er eine schriftliche Meldung machen mußte und
es für solche Fälle keine passenden Formulare gibt. Er nahm deshalb
ein anderes Formular, und so kam mir folgende Meldung auf den Tisch: Mein Zimmer im Gericht lag früher schräg über dem
des Präsidenten. Es war ein schönes Zimmer, in das die Sonne schien,
und deshalb ließ ich häufig das Fenster offen. Eines Morgens besuchte
mich ein junger Kollege zu einem Schwätzchen. Mitten in der Unterhaltung
stand er plötzlich auf und machte das Fenster zu. Dann schimpfte er
fürchterlich über den Präsidenten, und als er damit fertig
war, machte er das Fenster wieder auf. Der Umgang mit Liliputanern ist nicht einfach. Besonders schwierig
ist es, wenn ein Liliputaner Ministerialrat ist und eine Fortbildungsveranstaltung
leitet. Ein Teilnehmer der Tagung half dem Liliputaner in den Mantel. Wie
dieser Tagungsteilnehmer heißt, weiß ich nicht. Ich weiß
nur, daß er ein großer bärtiger Mann war und vier Kinder
hat. Er half also dem winzigen Ministerialrat in den Mantel, oder besser gesagt,
in das Mäntelchen. Aber dann machte er einen Fehler. Er drehte den kleinen
Mann herum und wollte ihm die Knöpfe zumachen. Die Schwurgerichtskammer konnte an einem Freitagnachmittag einen
ziemlich großen Fall überraschend abschließen. Weil der
Urkundsbeamte in der Woche danach Urlaub hatte, sagte der Richter Staub zu
ihm, die Zeugen, die man jetzt nicht mehr brauche, lade er selber ab. Am
Montagmorgen lag auf dem Schreibtisch der Kollegin des Urkundsbeamten folgender
Zettel: Zwischen der Staatsanwaltschaft und der großen Strafkammer
gibt es immer wieder Spannungen. Die Staatsanwälte beklagen sich nämlich
seit mindestens hundert Jahren, daß die Richter immer lascher werden.
Vor seiner Versetzung zum Amtsgericht saß der Moshammer in der Kantine
an einem Tisch mit lauter Staatsanwälten und mußte sich die üblichen
Klagen anhören. Der Moshammer tröstete die Staatsanwälte:
Die Frau des Präsidenten war gestorben, und im Gericht wurde
für einen Kranz gesammelt. Es sollte jeder zehn Mark zahlen. Ich sagte
zum Siegherr, es sei eigentlich ungerecht, daß wir gleich viel bezahlen
müßten, wo er doch Vorsitzender sei und mehr verdiene als ich.
Der Siegherr entgegnete: Der Schwurgerichtssaal des Landgerichts wurde restauriert. Bei dieser
Gelegenheit sollte eine moderne Mikrofonanlage eingerichtet werden. Eines
Tages wurde diese Anlage provisorisch aufgestellt, um sie zu testen. Damit
für die Probe alle Mikrofone besetzt waren, mußte der Geschäftsleiter
den Platz des Angeklagten einnehmen. Als dann für den Test ein Strafverfahren
simuliert wurde und der Geschäftsleiter an der Reihe war, sagte er: Der Richter Dr. Fotun lud zu einer kleinen Kaffeerunde ein. Ein
sehr wichtiges und schwieriges Urteil seiner Kammer hatte in der Revision
gehalten. Sein Kollege Hellmuth bedankte sich für die Einladung und
fügte hinzu: Der Siegherr ist ein Technikfan. So war er auch froh, als wir im
Gericht neue Telefone bekamen, solche mit Tasten. Nur im Beratungszimmer
blieb der alte Apparat hängen. Als der Siegherr dort einmal die Wählscheibe
betätigen mußte, schimpfte er: Bei uns im Schwurgericht stimmte etwas mit den Lichtleitungen nicht.
Eine der vier Lampen mußte man mit der Sicherung an- und ausmachen.
Als einmal die Protokollführerin wissen wollte, wie das geht, führte
der Siegherr sie zum Sicherungskasten und erklärte ihr bereitwillig,
was zu tun ist. Zum Schluß zeigte er ihr, wie man den Knopf an der
Sicherung drückt und sagte feierlich: Es war Hauptverhandlung. In der Pause zog eine Schöffin ihre
Armbanduhr auf. Das dauerte ziemlich lange, und deshalb erklärte uns
die Schöffin, es sei schon einen alte Uhr. Sie gehe auch nicht mehr
richtig, aber es handle sich um ein Andenken an ihren verstorbenen Mann,
und darum sei ihr die alte Uhr lieber als eine neue. Mein Kollege Siegherr
hatte Verständnis dafür. „Man muß sich halt entscheiden,“
sagte er, Der Siegherr stöhnte darüber, daß er sich in der
Hektik der Hauptverhandlung immer die Brille schmutzig mache. Eine Schöffin
tröstete ihn und erzählte, auch sie habe dauernd schmierige Gläser,
besonders wenn sie zu Hause in der Küche stehen müsse und das Fett
herumspritze. Ich selbst sagte, bei mir schlage sich unentwegt der Schweiß
und das Blut der Arbeit auf den Brillengläsern nieder. Der dritte Kollege
hörte sich das alles an. Dann erklärte er: Nach der Hauptverhandlung gegen eine weibliche Angeklagte kam der
Vertreter der Staatsanwaltschaft Tennenbronn zu mir und schimpfte, daß
so eine Frau bloß ein bißchen heulen müsse und schon bekomme
sie ein mildes Urteil. Ich sagte zu ihm, das sei halt mal so. Wenn bei ihm
zu Hause die Frau heule, dann gebe er doch auch nach. Wie ich schon erzählt
habe: Der Mann ist zwei Meter groß und wiegt drei Zentner. „Bei mir
zu Hause ist es anders,“ behauptete er, Das Landgericht Königsfeld hatte es mit einem ziemlich merkwürdigen
Angeklagten zu tun. Er besaß falsche Geschlechtschromosomen. Statt ordentlich
halbe halbe X und Y, hatte er lauter XY-Chromosomen. Wie der Sachverständige
erklärte, kommt so etwas bei einer Million Menschen höchstens einmal
vor. „Was machen wir bloß mit dem,“ stöhnte der Kollege Frech-Müller:
Die Wachtmeister bei uns am Gericht müssen Gefangene bewachen,
die Post sortieren, Fotokopien anfertigen und Akten herumtragen. Sie verdienen
wenig, und deshalb ist es für sie besonders ärgerlich, daß
oft viele Überstunden nötig sind, die ihnen als Beamte nicht
bezahlt werden. Als ich einmal einen Wachtmeister lobte, weil er sich
besonders Mühe gegeben hatte, antwortete er: Der Wolfsrieger arbeitet beim Amtsgericht Tennebronn. Als ich dort
einmal zu tun hatte und in seinem Zimmer war, kam auch ein Rechtsanwalt
dazu. Dieser fragte, warum eigentlich der Rechtsanwalt Soundso sein Auto auf
dem Behindertenparkplatz abstellen dürfe. Ich erklärte, daß
der doch gehbehindert sei. Der Wolfsrieger nickte und meinte nachdenklich:
Der Siegherr und der Vize-Paul kamen sich oft wegen der Sitzungstage
ins Gehege. Der Siegherr konnte sich nämlich einfach nicht merken, wann
wer an der Reihe war. Eines Tages schlug der Vize-Paul dem Siegherr vor,
doch einfach nach Kalenderwochen vorzugehen. In den geraden Wochen sollte
der Vize-Paul an der Reihe sein und in den ungeraden Wochen der Siegherr.
Der Siegherr sah das irgendwie ein. Jedenfalls fragte er den Vize-Paul: Als ich eines Tages beim Chef der Staatsanwaltschaft Königsfeld
im Zimmer saß, kam seine Sekretärin herein und richtete ihm folgendes
aus: Das Gerichtsgebäude in Tennenbronn ist zwar relativ modern,
aber nichr gerade ein Meisterwerk in punkto Architektur. Die Geschäftsleiterin
wunderte sich einmal darüber, daß die Leute vom Oberlandesgericht
in Stuttgart den Bau überhaupt abgenommen hatten. Sie meinte, da müsse
man sich doch ans Hirn langen. Der Malewsky entgegnete: Es war Versammlung des Richtervereins. Auch die Ruheständler
waren eingeladen. Während der Sitzung wurde darüber debattiert,
ob man nicht wieder einmal zusammen eine Betriebsbesichtigung machen sollte.
Ein jüngerer Kollege schlug vor, die Firma ”Aesculap” in Tuttlingen zu
besuchen. Aber einer der Pensionäre wandte ein: Bei der Geschäftsleitung des Landgerichts muss man alle Nebentätigkeiten
anmelden. Es wird sehr genau genommen, und deshalb fragte der Richter Staub:
Ein junger Amtsrichter hatte ein Urteil gemacht, bei dem er dem
berühmten Gerichtsmediziner Prof. Dr. Dr. Mallach gefolgt war. Was der
junge Richter nicht getan hatte, war, die Rechtsprechung des Landgerichts
zu beachten. Dieses ist nämlich anderer Meinung als der Mallach und
außerdem sind dort die Berufungsrichter. Als beim Landgericht
über das Urteil gesprochen und beschlossen wurde, es aufzuheben, bat
der Landrichter Grindelmaier seinen Kollegen Hellnuth um Verständnis
für den jungen Kollegen. Er sagte, immerhin habe sich der Amtsrichter
ja dem großen Mallach angeschlossen. ”Das ist es ja”, antwortete der
Hellmuth, Es war ein ziemlich komplizierter Fall. Ein Baggerfahrer hatte bei
Bauarbeiten in einer Hauptstraße eine 81 Jahre alte Frau totgefahren.
Es ging nun um die Frage, warum und wie die Frau überhaupt vor den Bagger
geraten war. Dem Richter Staub war das alles zu dumm. Er meinte: Die Fasnet ist im allemannischen Bereich eine sehr wichtige Sache.
Auch der Chef der Staatsanwaltschaft Königsfeld sah das so. Obwohl
er ein Berliner ist. Am Schmotzigen Donnerstag verkleidete er sich, setzte
sich eine Maske auf und stülpte sich eine Perücke über. Als
sein Kollege aus Tennebronn ihn das erste Mal so sah, sagte er zu ihm: Referendarunterricht Mit meinen ein Meter sechzig bin ich natürlich recht klein.
Mir selber fällt das meistens gar nicht auf, aber manchmal werde ich
halt doch daran erinnert. Ich hatte Referendarunterricht. Solange die Referendare
vom Flur in den Unterrichtsraum hereintrotteten, hatte ich bereits hinter
dem Lehrertisch Platz genommen. Während ich meine Unterlagen sortierte,
kam ein riesengroßer Referendar auf mich zu. Er wollte mich vor Beginn
des Unterrichts noch etwas fragen. Bevor er mich ansprach, ging er – unwillkürlich
– in die Hocke. Es war soweit, daß ich mir eine Lesebrille anschaffen mußte.
Als ich die Brille zum ersten Mal bei den Rechtsreferendaren aufsetzte, wollte
ich etwaige Heiterkeitsausbrüche vorwegnehmen. Ich erzählte deshalb,
daß meine Frau behauptet, ich würde mit der Brille wie ein Osterhase
aussehen. Kaum hatte ich die Brille aufgesetzt, rief die Sprecherin der Rechtsreferendare:
Ich zeigte dem Hellmuth die Revisionsschrift eines Rechtsanwalts.
Es war eine ausgesprochen stümperhafte Arbeit. Als ich mich beklagte
und enttäuscht mitteilte, daß der Rechtsanwalt schließlich
bei mir im Strafrechtsunterricht war, antwortete der Hellmuth: Juristen im Café Im Café "Röthe" fragte der Kollege Fetsch mit der ihm
eigenen lauten Stimme nach dem Tagesessen. Es gab Fleischküchle mit
Beilagen für sieben Mark fünfzig. Das sei aber teuer, rief der
Fetsch, und seine Stimme hallte durchs Lokal. Das sei aber ein kleines Fleischküchle,
hörte man ihn bald darauf dröhnen. Es habe scheußlich geschmeckt,
donnerte es kurze Zeit später durchs Café, ausgesprochen scheußlich,
und er denke nicht daran, dafür sieben Mark fünfzig zu bezahlen.
Als er dann nur fünf Mark bezahlen mußte, war der Fetsch versöhnt
und brüllte: Zur Mittagsrunde im Café „Röthe“ gehört neben Richtern,
Staatsanwälten und Advokaten auch zum Beispiel ein Geometer von einer
nahegelegenen Behörde. Im Café „Röthe“ ist es normalerweise
sehr voll. Einmal kam ich mit dem Geometer ins Lokal, da waren überhaupt
keine Gäste anwesend. Als der Geometer sah, daß die Bedienung ein
Dirndl trug, wies er auf die leeren Stühle und fragte: Als die Bedienung dem Geometer einmal einen Kuchen brachte, an dem
vorne eine kleine Ecke fehlte, sagte er zu ihr, sie habe es wohl nicht lassen
können, ein Stückchen zu probieren. Die Bedienung antwortete: Der Geometer hatte zwei rote Würste bestellt. Als die Würste
kamen, waren sie so winzig, daß wir alle lachen mußten. Die Bedienung
entschuldigte sich, aber der Geometer wies auf sein Besteck und fragte: Der Frech-Müller hatte eine Gemüseplatte bestellt und
fragte, wo sie den bleibe. Als die Bedienung antwortete, sie werde schon
kommen, meinte der Rechtsanwalt Schrön zu ihr: Als ich einmal mit dem Geometer und einem Rechtsanwalt im Café
„Röthe“ saß, erzählte uns die Bedienung, daß sie
jeden Abend einen Cognac trinkt. Sie erklärte, daß sie sich das
nicht nehmen lasse. Als wir sie fragten, ob sie denn immer einen so traurigen
Tag habe, antwortete sie: „Ach was! Ich hab’ doch euch!“ Und dann fügte
sie hinzu: Ich saß mit dem Rechtsanwalt Riefer und einem ägyptischen
Dolmetscher zusammen. Während wir miteinander redeten, betrat der Bossi
das Café und setzte sich ein paar Tische weiter. Der Ägypter starrte
den Bossi ziemlich wütend an und erzählte uns dann, daß ihm
der Bossi eine Rechnung über 230 DM nicht bezahlt habe. Der Rechtsanwalt
Riefer gab dem Ägypter kurzerhand seine Karte und sagte, er solle ihm
die Rechnung mit den 230 DM schicken. Der Riefer erklärte: Ein Rechtsanwalt beschwerte sich bei meinem Kollegen Frech-Müller,
daß er vor drei Jahren eine Klage eingereicht habe, aber noch nichts
geschehen sei. Der Frech-Müller antwortete ihm: Im Café „Röthe“ sagte der Chef der Saatsanwaltschaft
Tennebronn zum Präsidenten des Landgerichts: „Wissen Sie, ich kenne
die Schäfchen in meiner Gemeinde.“ Worauf der Präsident antwortete:
Eines Tages kam der Chef der Staatsanwaltschaft Tennenbron (zwei
Meter groß, drei Zentner schwer) etwas später zur Mittagsrunde
im Café. Der Tisch war voll. Da baute sich der Staatsanwalt vor dem
Arzt des Versorgungsamtes auf und sagte zu ihm: Beim Mittagsstammtisch im Café wurde über die Weihnachtsfeiern
gesprochen. Der Rechtsanwalt Regnier erzählte, daß er letztes Mal
zuviel Alkohol getrunken habe. Am Morgen danach sei er fix und fertig gewesen.
Er habe nicht nur einen Kater gehabt, sondern er sei regelrecht wehrlos gewesen.
Die Bedienung des Cafés hatte dem Regnier zugehört und sagte:
Der Staatsanwalt erzählte im Cafè, daß er mit
seiner Frau im Schwarzwald Urlaub machen wolle. Er werde dann Pilze sammeln
und sich diese abends in der Hotelküche zubereiten lassen. Sein Hobby
habe bloß den Nachteil, daß es von seiner Frau nicht geteilt werde,
weil sie keine Pilze möge. Die Bedienung tröstete den Staatsanwalt:
Ein Angeklagter hatte sich nach Bankok abgesetzt. Der Rechtsanwalt
Guardini sinnierte im Cafè laut vor sich hin. Er meinte, daß
es dem Mann eigentlich gut gehe. In Thailand sei es schön warm, und
außerdem könne er ohne viel Geld leben. Die Unterkünfte seien
billig und das Essen koste fast gar nichts. Die Bedienung ergänzte: Der Frech-Müller beklagte sich, daß man ihn Frech-Müller
nennt. Das sei ungerecht, er sei gar nicht frech. ”Aber mich ärgern Sie
immer damit, daß ich so dick bin”, entgegnete der Staatsanwalt (zwei
Meter groß, drei Zentner schwer). Worauf der Frech-Müller meinte:
Der Staatsanwalt Uetzel schimpfte im Café auf das Landgericht.
Der Grindelmaier gab ihm zu bedenken, daß er sich nicht über das
ganze Landgericht ärgern dürfe. Das seien schließlich lauter
einzelne Richter. Er selber, der Grindelmaier, würde ja auch nie über
die Staatsanwaltschaft schimpfen, sondern über den konkreten Staatsanwalt,
der ihn ärgert. Und, so fügte der Grindelmaier hinzu, es gebe bei
der Staatsanwaltschaft nun halt mal eineinhalb Verrückte. Der Uetzel
sah das ein, brummelte aber, daß er eigentlich zwei Staatsanwälte
sei. Worauf der Frech-Müller sagte: Juristen ganz privat Die Rechtsanwältin Feh wollte unbedingt von ihrem Kollegen
Borowski, der im gleichen Büro arbeitet, einmal geküßt werden.
Aber der dachte gar nicht daran. Als zur Weihnachtszeit im Büro jemand
Mistelzweige aufgehängt hatte, sah die Frau Feh ihre Stunde gekommen.
Doch so einfach war das nicht. Kaum hingen die Mistelzweige, schimpfte der
Borowski, daß das eine amerikanische Unsitte sei und mit dem Brauchtum
in unserer Gegend rein gar nichts zu tun habe. Bei einem Aufenthalt in Rumänien hatte ich einen Juraprofessor
und einen Rechtsanwalt im Auto. Beide waren in dem Land zuhause. Als ich beim
Ausparken einen anderen Pkw rammte, rieten mir die zwei, so schnell wie möglich
weiterzufahren. Das tat ich auch. Der Juraprofessor merkte aber, daß
mir ganz und gar nicht wohl dabei war. Er tröstete mich: Mein Kollege Siegherr war in Berlin, gerade, als dort die Mauer
geöffnet wurde. Der Siegherr hatte Urlaub, und deshalb spazierte er
überall hin, wo etwas los war. Er mischte sich auch unter die Schaulustigen
am Brandenburger Tor. Als ihm dort ein fremder Mensch einfach zwei Tafeln
Schokolade in die Hand drückte, war der Siegherr etwas irritiert. Aber
erst ein wenig später beschloß er, sich von seiner geliebten alten
Lederjacke zu trennen. Der Siegherr war nämlich in einen kleinen türkischen
Gemüseladen gegangen, weil er Lust auf Trauben hatte. Die Türkin,
die dort bediente, riet ihm: Als der Kollege Fetsch einmal bei uns zu Hause war, lösten
wir gerade unsere alte Küche auf. Es war ein roter Klappstuhl dabei,
und der Fetsch wollte ihn haben. Wie vereinbart, nahm ich wenig später
den Stuhl mit ins Gericht, und weil der Fetsch gerade nicht da war, stellte
ich das Ding einfach in sein Dienstzimmer.Nach ein paar Wochen kam ich zum
Fetsch ins Zimmer und sah, daß unser roter Klappstuhl immer noch dort
stand. Als ich ihn darauf ansprach, antwortete der Fetsch: Der Richer Schienke hatte schlechte Laune. Es gab saumäßig
viel Arbeit, und außerdem wollte er schon seit langem zum Gericht nach
Konstanz, aber es klappte einfach nicht. Ich versuchte, ihn auf dem Rückweg
vom Café „Röthe“ auf andere Gedanken zu bringen. „Guck’ mal,
dort blüht der erste Krokus!“ sagte ich. Unser früherer Präsident stand vor einer By-Pass-Operation.
Der Arzt erkärte ihm, wie das Ganze zeitlich abläuft, nämlich
zwei Wochen Herzabteilung samt Operation und Intensivstation, dann noch zwei
Wochen Innere und anschließend Reha-Klinik. Einige der älteren Kollegen haben eine Segeljacht am Bodensee.
So auch der Wolfsrieger vom Amtsgericht Tennebronn. Er hatte uns zum
Segeln eingeladen. Als wir in seinem schicken Boot übers Wasser glitten,
fragte ich ihn, ob es eigentlich noch etwas zum Träumen gebe, wenn man
so ein Boot habe und dazu noch einen Liegeplatz. Der Wolfsrieger antwortete:
Der Chef der Staatsanwaltschaft Tennenbronn war beim Friseur gewesen,
und der Amtsrichter schimpfte mit ihm, weil es in der Dienstzeit war. Der
Staatsanwalt sagte, daß ihm die Haare ja schließlich auch im Dienst
wachsen. Das ließ der Amtsrichter aber nicht gelten. Er meinte, die
Haare würden genauso in der Freizeit wachsen. Worauf der Staatsanwalt
entgegnete: Mein Kollege Hellmuth betreibt als Hobby die Imkerei. Es war ein
ziemlich kalter Sommer, und da blieben dem Hellmuth seine Bienen wochenlang
in ihren Stöcken. Als ihn der Wolfsrieger fragte, was denn die Bienen
machen, wenn sie nicht ausfliegen, erklärte der Hellmuth:
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